1991 - Nachtprogramm Renitenztheater Stuttgart

<eswarKRIEGesistKRIEGeswirdKRIEGsein....> von Christian Duda

Uraufführung

Koproduktion: Klara Höfels / Renitenz-Theater Stuttgart

 

Autor: Christian Duda;

Regie/Bühne/Kostüm: C. A. Gad Elkarim;

Schauspieler/innen: Hagen Achterfeld, Barbara Troschke, Klara Höfels;

Musik: Mathias Herrmann

 

Uraufführung am 31. August 1991 im Renitenz-Theater Stuttgart

Uraufführung <eswarKRIEGesistKRIEGeswirdKRIEGsein> im Renitenztheater Stuttgart
Uraufführung <eswarKRIEGesistKRIEGeswirdKRIEGsein> im Renitenztheater Stuttgart

eswarKRIEGesistKRIEGeswirdKRIEGseinwirsind

KRIEGsopferwirsindKRIEGsgegnerwirsindKRIEG

erKRIEGst inderfremdeKRIEGistzuhause

 

Bilder, Nachrichten, allesamt Verkürzungen, sie sind es, die uns nahebringen. In Kriegs-und Friedenszeiten! Wir wissen: die Bilder, die Nachrichten, die Verkürzungen lügen. Wie muss man die Bilder und Nachrichten montieren, dass sie zusammen die Wahrheit erzählen?

 

EswarKRIEGesistKRIEGeswirdKRIEGsein... ist in drei Teile geteilt:

 

1.Teil

Ein Paar lebt im Krieg. Mittendrin. Sie ist Frau und Mutter, er Krieger. Alltag im Krieg. Am Rand lebt eine zweite Frau (und Mutter). In Sicherheit und doch mittendrin.

 

2. Teil

Ein Krieger kehrt heim, lässt die Zerstörung hinter sich. Zuhause wartet die Frau. Jetzt ist sie Mittelpunkt und die Andere, die Frau im Krieg, ist nur periphär. Der heimkehrende Mann bringt den Krieg mit nach Hause.

 

3. Teil

Eine Frau sitzt mitten im Krieg und erzählt. Einen Text der Zerstörung, der Schmerzen und des Hasses. Ein Text, den man nicht hören will. Ein jüdischer, kurdischer, palastinensischer Text. Ein Text der Opfer. Ein Paar sitzt mitten im Frieden und ist stumm miteinander.

 

Die Struktur dieser Geschichte entspricht der Bilderwelt eines Fernsehabends. Unterbrechungen, Melodien, Kurzdramen, Einzelbilder vermitteln einen Alltag, den wir kennen, doch anders wahrnehmen.

                                       Mitternacht im Renitenz-Theater

 

Anarchistische Experimentierwut

 

Wie will das Theater eine unabhängige Welt bleiben, wenn es sich in der Suche nach Sponsoren, Subventionen und Zuschauern verschleißt? Muss Theater Bestandteil einer schönen Welt sein, um Erfolg zu haben?

 

Mitternachtstheater.

 

Am Renitenz-Theater wird der Versuch gestartet, zu dieser späten Stunde, ein neues Programm zu etablieren. Das Mitternachtstheater will möglichst schnell auf die Schlagzeilen der Medien reagieren und somit eine künstlerische Reflektion auf den Alltag liefern. Das Thema des ersten Abends ist der Krieg.

 

Krieg.

Deutschland, ein Land an der Peripherie des Krieges, geographisch und finanziell. Wie sieht es aus in diesem Land? Die Meldungen der Tageszeitung sollen Auskunft geben über den Frieden, in dem wir leben! Auf der anderen Seite das Kriegsgebiet: Irak, Kuwait, Jugoslawien, Libanon... Länder im Mittelpunkt des Krieges. Wie leben die Opfer? Was denken Sie? Chaim Nachman Bialiks Text „Die Stadt des Schlachtens“ formuliert stellvertretend für viele die Gefühle, Gedanken und Schmerzen im Angesichts des eigenen Untergangs.

 

Die Schauspieler Klara Höfels, Barbara Troschke, Hagen Achterfeld präsentieren eine Collage aus Alltagssituationen, Zeitungstexten, die die Stuttgarter Normalität während des Golfkriegs spiegeln, und Chaim Nachmann Bialiks Epos „Die Stadt des Schlachtens“. Aus der Konfrontation von Alltäglichem mit der außerordentlichen Situation des Krieges, verspricht Regisseur Elkarim, erwüchsen Absurdität und Komik, der moralische Zeigefinger werde nicht erhoben. „Am Schluss steht die Frage, ob nicht die größte Gefahr der Kriege die überlebenden Opfer sind, in denen die Wurzeln zu neuem Militarismus gelegt wurden.