Autorentheater Berlin im Literaturhaus Berlin

Das Autorentheater Berlin in Kooperation mit dem Literaturhaus Berlin beantragt Förderungen von inszenierten Lesungen in Form von MATINEEN für Autor/innen der Gegenwartsdramatik.

 

Die MATINEEN im Literaturhaus sollen der erste Schritt zur Realisierung eines ganzjährig operierenden Autorentheaters Berlin – Forum für Gegenwartsdramatik sein. Dies ist ein größeres, längerfristiges Vorhaben, das sich durch hohen Qualitätsanspruch und künstlerische Innovation sowie durch seinen Modellcharakter auszeichnet. Es orientiert sich an erfolgreichen Vorbildern in LONDON und PARIS,  die sich ausschließlich der Gegenwartsdramatik widmen und intensive Autorenpflege und -förderung betreiben: das Royal Court Theatre (London) und das Théâtre Gérard Philipe (Paris).

 

Weit über den Anspruch hinaus, ein “Nationaltheater” für zeitgenössische Autoren und ihre Stücke zu sein, haben diese Theater große Strahlkraft auch über die Landesgrenzen hinweg. Das Royal Court Theatre etwa erweist sich seit vielen Jahren als Magnet für Verlage, Theater und Medien. Theaterstücke, die dort zur Aufführung gelangen und bei Publikum und Presse reüssieren, werden auch hierzulande als Deutsche Erstaufführungen erfolgreich nachgespielt – und erweisen sich für Autoren und Theater gleichermaßen lukrativ.

Und Berlin?

Angesichts der blühenden Autorentheater in anderen europäischen Theatermetropolen ist es erstaunlich und unbegreiflich, dass sich in Berlin bisher kein ausschließlich der Gegenwartsdramatik gewidmetes Haus etablieren konnte. Dabei ist Berlin im deutschsprachigen Raum DAS Zentrum für Projekte und Initiativen aus allen Kunstsparten und verfügt mit seinen Staats- und Freien Theatern sowie auch seinen Tanzkompanien über eine lebendige und anspruchsvolle Theaterszene, die dieses Defizit sogar erkannt hat: In der Vergangenheit erhielten mehrere Initiativen für ein Autorentheater in Fachkreisen sowie bei Presse und Politik tatsächlich großen Zuspruch – und wurden unverständlicherweise dennoch nicht gefördert.

 

Unser Vorhaben setzt an dieser bis heute nicht geschlossenen Lücke an und will durch inszenierte Lesungen von Stücktexten der Gegenwartsautor/innen den Weg zur Etablierung eines ganzjährigen Autorentheaters für Gegenwartsdramatik ebnen.

AUSBLICK: Ein Forum für Gegenwartsdramatik in Berlin

Das Autorentheater  Berlin will eine bedeutende Lücke in der Theaterlandschaft schließen. Theaterautoren müssen als Impulsgeber des künstlerischen Prozesses systematisch gefördert werden und der Autor neben dem Regisseur gleichberechtigt auch inszenierungsbezogene Akzente setzen können. Wir wollen ein Theater sein, das durch Inhalte geprägt, am Diskurs teilnimmt. Unsere Autoren sollen sich mit der Wirklichkeit auseinander setzen.

 

Ein Autorentheater bietet zeitgenössischen Theaterautoren jeden Alters, jeden Geschlechts und jeder Nationalität ein Forum, ihre Arbeiten in einem professionellen Rahmen weiter zu entwickeln und sie einem interessierten Publikum und der Presse vorzustellen. Die Autoren sind durch die kontinuierliche Zusammenarbeit mit Schauspiel, Regie und Dramaturgie unmittelbar und maßgeblich am Entstehungsprozess der Uraufführung oder der Szenischen Lesung ihres Textes beteiligt.

 

Zeitlich begrenzte Initiativen wie Autorentheatertage und Stückemärkte stellen überwiegend die Präsentation des fertigen Textes in den Mittelpunkt. Meist kommt es erst in den Endproben oder gar anlässlich der Premiere zu einem neuerlichen Kontakt zwischen Autor und Produktionsteam; Einflussnahmen von Seiten der Autoren sind dann kaum mehr möglich; ausgeprägte Formen des Regietheaters sehen den Autor des Öfteren gar in der Rolle des Störenfriedes. Das Autorentheater stellt dagegen Autor, Text, Regie und Dramaturgie in einen wechselseitig wirkenden Produktionszusammenhang: Die Arbeit eines Theaterautors kommt erst mit der Inszenierung seines Textes zu einem Abschluss.

 

Publikum

Nicht nur Autoren und Theaterschaffende, auch das Publikum profitiert maßgeblich von der veränderten Schreib- und Produktionskultur eines Autorentheaters.  Ein Autorentheater, das die “Theatertauglichkeit” dramatischer Texte in den Fokus rückt, bemüht sich um die bestmögliche Integration des Zuschauers in seine Präsentationen: Einführungen, Nachbereitungen und Diskussionen sowie flankierende Maßnahmen wie Think Tanks sind unverzichtbare Instrumente der Publikumspflege und -Nachwuchsförderung. Durch ihren kommunikativen Charakter bieten sie den Theaterschaffenden umgekehrt die Möglichkeit, sich von den Erfahrungen und der Lebenswirklichkeit der Zuschauer für die eigene Arbeit inspirieren zu lassen. Publikum und Produktionsteam profitieren wechselseitig voneinander.

 

Ein ganzjähriges Autorentheater betreibt auf lange Sicht Blick- und Geschmacksschulung für Zuschauer aller Generationen; es schafft Identifikationsmöglichkeiten durch Kontinuität, fördert die Kommunikation und öffnet Türen zu neuen Horizonten. Um neue Dramatik bekannt zu machen und sie im Bewusstsein des Publikums zu verankern, braucht man eine Bühne, die die Konkurrenz der Klassiker und Repertoirestücke bewusst vermeidet – und sich ausschließlich Gegenwartsautoren widmet.

 

Auf dieses produktive Zusammenspiel, auf die wechselseitige Erweiterung der Horizonte zielt die neue Produktionskultur des Autorentheaters – Forum für Gegenwartsdramatik. Unter diesen Voraussetzungen werden inszenierte LESUNGEN – wie die beantragten, langfristig, erfolgreich, vor Publikum und Presse bestehen können: “Arbeitsbeziehungen zwischen Autoren und Regisseuren sind die einzige produktive Gegenwehr gegen flüchtige Moden und Marktbewegungen’” (John von Düffel).