Demoband 2016

    Foto: Arlett Mathescheck

von Heinrich Schwazer (tz - 5. Dezember 2012)

 

Erschütternd ist es, wie Klara Höfels auf einem stillstehenden Sessellift einen Monolog auf ihr verpfuschtes Dasein hält, während unter ihr die Abfahrer abfahren - doch niemals auf sie. Da hält das halsbrecherische Tempo der Jelinek schen Sprechkadenzen und die thematische Maßlosigkeit für einen Moment den Atem an als ob jemand dazwischenrufen würde: Halt! Dürfte ich jetzt kurz mal darüber nachdenken worum es hier überhaupt geht? Oder bleibt uns zuletzt auch nur der Anruf beim Tod, der einzigen gebührenfreien Nummer? Es sind diese Momente jenseits der nervösen Zappeligkeit von Jelineks Sprache, die einem den Sinn dahinter mit einem Schlag offenbaren. Und die einen in den unruhigen Geist von Schuberts „Winterreise“ katapultieren. Fremd sind wir eingezogen, fremd ziehen wir wieder aus. Schilling ist mit seinem großartigen Ensemble ein seltenes Kunststück gelungen: eine Jelinek die berührt. So wunderlich ist die Alte gar nicht.